Interview: Alexander Eden über „Die Hoteldetektivin“ 

 

Sie sind ein erfahrener Krimiautor, nun veröffentlichen Sie mit „Die Hoteldetektivin“ als Alexander Eden einen Krimi mit einem ganz neuen Setting. Warum?

Ich bin ein Autor, der viele Ideen hat und Verschiedenes ausprobieren will. Jetzt wollte ich eben einen historischen Krimi schreiben, der in Deutschland spielt, im glamourösen Ambiente eines Grand Hotels. 1913, im Kaiserreich mit der Spannung des drohenden Krieges. Und mit einer weiblichen, starken und ungewöhnlichen Ermittlerin.

 

Warum erstmals unter dem Pseudonym Alexander Eden, Herr Weigold?

 

Um dieses von den bisherigen Büchern abzuheben. Aber es ist ein offenes Pseudonym, Lesungen mache ich wie gewohnt. 

 

Ihr erster Krimi mit einer weiblichen Heldin - was zeichnet Emma Stein aus?

Es hat mir großen Spaß gemacht, diese Figur zu entwerfen und ihr besondere Züge zu geben! Emma Stein ist die Tochter des Hoteldetektivs, doch ihr Vater leidet seit einiger Zeit unter einer rätselhaften „Krankheit der Vergesslichkeit“. Also übernimmt sie für ihn die Ermittlungen im „Hotel Imperial“ und muss ihn auch decken. Aber vor allem muss Emma sich nun als junge Hoteldetektivin auf dem Parkett eines Luxushotels behaupten, obwohl sie damit 1913 ein totaler Underdog ist. Das ist natürlich besonders reizvoll – und gelingt ihr glänzend. 

Als Detektivin ist Emma vollkommen unbestechlich, setzt sich über Autoritäten hinweg und folgt stur ihrer moralischen Richtschnur, der Gerechtigkeit genüge zu tun. Sie hat bereits einen Führerschein und macht Automobil-Verfolgungsfahrten! Außerdem trainiert sie die japanische Kunst der Selbstverteidigung, Jiu-Jitsu, die damals in Berlin bereits bekannt war. In Lebensgefahr muss sie sich dann damit retten. Und sie ist auch sonst eine höchst selbstständige, „moderne“ Frau, zumal ihr Ehemann als Polizeibeamter in der Deutschen Kolonie Tsingtau abwesend ist. Als attraktive junge Frau erregt Emma überall Aufsehen und muss sich mit Avancen von Männern auseinandersetzen.

 

Mit welchem Fall bekommt Emma Stein es zu tun?

In einer der teuersten Suiten findet Emma einen millionenschweren Gast tot auf. Es ist ein Fabrikant aus Babelsberg, zunächst sieht alles nach Selbstmord mit Tabletten aus, doch er hat vorher noch Besuch von einer Geliebten erhalten. Emma glaubt an Mord, sie ermittelt weiter und kommt darauf, dass das Opfer erpresst wurde. Dann weitet sich die Geschichte, die wie ein Eifersuchtsdrama erscheint, zu einem Mordfall aus, in dem Intrigen um Rüstungsgeschäfte und einen Patentdiebstahl eine entscheidende Rolle spielen. Aber auch Emma persönlich ist von dem, was sie herausfindet, aufs Tiefste betroffen...

 

Ist Ihr Buch ein historischer Krimi oder auch ein „Hotelroman“?

Beides. Ich erzähle neben dem fesselnden Fall auch die Geschichten der Hotelgäste – die der Diva Sarah Bernhardt und ihrer Familie, des russischen Außenministers oder die eines amerikanischen Ehepaares auf Hochzeitsreise, das den Untergang der „Titanic“ überlebt hat. Aber auch die kleinen und großen Dramen, die sich unter dem Hotelpersonal abspielen – die der Zimmermädchen, Liftboys oder Etagenkellner. Natürlich gibt es auch Liebesgeschichten, eine davon entwickelt sich sogar zwischen Emma und dem Hotelbarkeeper Emil, ihrem Co-Ermittler und Jiu-Jitsu-Lehrer.

 

Gab und gibt es eigentlich wirklich Hoteldetektive? Welche Fälle hatten sie zu bearbeiten?

Ja, aber je nach Etablissement wurden sie mit anderen Titeln belegt, zum Beispiel „stellvertretende Hoteldirektion“ oder „Hausdame“. Zu tun gab es für sie genug – sie mussten ja auch für die Sicherheit der prominenten Gäste sorgen und für all ihre Sorgen ein offenes Ohr haben. Aber ich fand erstaunlich, mit wie vielen Kriminellen und ihren Vergehen sie zu tun bekamen, von Schmuckdieben über Hochstapler und Zechpreller bis hin zu Morden, die in den großen Hotels durchaus vorkamen. Da wurden Geldbriefträger tot aufgefunden und Diplomaten in Liftschächte gestoßen. Man brauchte einen guten Draht zur Kripo und manches wurde auch vertuscht.

 

(C) 2026 Alexander Eden/HarperCollins